Standort St. Peter und Paul, Kleinbüllesheim

Kleinbüllesheimerstr. 24, 53881 Euskirchen

Die Kirche St. Peter und Paul, Kleinbüllesheim

856 wurden ein Hof ("villa") und eine Kapelle ("capella") in "Bullengesheim" von Lothar II. an seinen Vasallen Otbert verliehen. Diese "Eigenkirche" war eine kleine Saalkirche, deren Bauelemente teilweise noch im Mittelschiff (der alten Kirche) enthalten sind. Später war das Cassiusstift zu Bonn Kollator, von 1301 bis zur Säkularisierung verblieb das Patronat beim Kölner Domkapitel. 1807 wurde die Pfarrei suppriemiert. 1849 wurde Kleinbüllesheim wieder zur Pfarrei erhoben. Seit 2002 gehört sie zum Pfarrverband Euskirchen-Erftmühlenbach.

Alt St. Peter und Paul

Alt St. Peter
Alt St. Peter

Die alte kath. Pfarrkirche liegt in der Nähe der "Großen Burg", ehemals durch den Wassergraben getrennt, der heute zugeschüttet ist.
Der karolingische Bau war eine Saalkirche mit lichter Deckenhöhe von 4,20 m (Holzbalkendecke). Um 1100 wurde diese zu einer Basilika umgestaltet. Die Wände wurden als Obergaden höher geführt, Seitenschiffe wurden angefügt, ein Chor und ein Westturm wurden errichtet. Im ersten Turmgeschoss hatte die ostgerichtete Michaelskapelle - von Süden her - vermutlich einen Zugang.

In spätgotischer Zeit wurde an die Nordwand des Chores eine Sakristei angefügt. Der Turm erhielt an der Südwand des Erdgeschosses ein hoch gezogenes Spitzbogenfenster. Im 18. Jh. vermauerte man die Obergadenfenster und brach größere Rundbogenfenster. Unter der romanischen Holzbalkendecke zog man auf breiten, viereckigen Konsolen ein Holzgewölbe mit durchgehender Mittelrippe ein. Gleichzeitig erhöhte man den Fußboden um 0,40 m. Der Chor wurde mit einem flachen tonnenähnlichen Gewölbe überspannt. Möglicherweise ist damals auch der Eingang im nördlichen Seitenschiff verlegt worden. 1880/83 erfolgte eine gründliche Renovierung: Die Seitenschiffe wurden oberhalb der Fensterbrüstungen neu aufgemauert, der Fußboden wurde weiterhin höher gelegt, die Seitenschiffe wurden mit Tonnengewölben versehen.

Neu St. Peter und Paul

Neu St.Peter
Neu St.Peter

Seit dieser Zeit bestand aber auch der Plan zu einer neuen Kirche. Pfarrer Heinrich Zeiler (1868-1900) hinterließ im Jahre 1900 ein Vermächtnis von 4000 Mark "zum Neubau einer Kirche". Dadurch konnte Pfarrer Wilhelm Speel (1900-1902) einen Erweiterungsbau anstreben. Architekt Theodor Kremer aus Köln fertigte Pläne, aber der Burgherr Friedrich von Solemacher-Antweiler gab das Grundstück dafür nicht frei. Deshalb suchte Pfarrer Joh. Ferdinand Breuer (1902-1909) nach anderen Möglichkeiten, doch riet Baurat Schulze aus Bonn zum Neubau.

Pfarrer Breuer erreichte nach langwierigen Verhandlungen, dass der Burgherr von Solemacher ein nahe gelegenes Grundstück zur Verfügung stellte, wofür er gegen Aufpreis die alte Kirche erhielt. Dombaumeister Franz Statz aus Köln entwarf 1904 den Neubau mit Altären, Kanzel und Beichtstuhl im neugotischen Stil.
Nach Absicherung der Finanzierung - durch Kollekte u.a.m. - war am 27. Juni 1906 die Grundsteinlegung. Am 18. August 1907 fand die Benedizierung (durch Dechant Schweinem) der Kirche statt, doch erst 1916 die Konsekration (durch den Bischof).

Aus der alten Kirche übertrug man Tabernakel, Orgel, Glocken und eine Madonnenfigur in den neugotischen Backsteinbau, dessen Bauvolumen durch Vorsprünge, Strebefeiler und Fenster interessant gegliedert ist. Backsteine in den Flächen und Haustein an Gesims, Konsolen, Fenstermaßwerk u.a. erzeugen eine harmonische Wandgestaltung. Im Glockengeschoss des vorgesetzten, viergeschossigen Westturmes befindet sich seit 1949 ein dreistimmiges - g', a', h' - (Gussstahl-) Geläute.
InnenraumInnenraumBetritt man die Saalkirche, die auf einem kreuzförmigen Grundriss errichtet ist, so hat man einen weiten Durchblick vom zweijochigen Langhaus über Querhaus und Vorchorjoch mit Seitenkapellen zum spitzbogigen Triumphbogen, der den Blick in den fünfseitigen Poligonchor freigibt. Den durch Spitzbogenfenster hell belichteten Raum überdecken Kreuzrippengewölbe, auf Blattkonsolen bzw. Diensten mit Blattkapitellen gestützt.

Nur zwei Fenster (Turmuntergeschoss) und die Fensterrosette über dem Portal sind von 1907 erhalten. Alle anderen Fenster, kriegsbeschädigt, wurden 1958 nach Entwürfen von Hermann Gottfried neu gestaltet, d.h. mit ornamentalen bzw. floralen Motiven, jedoch im frontalen Chorfenster mit figurativer Darstellung (Verkündigung durch Engel an Abraham, an Elisabeth und an Maria).

Die Inneneinrichtung wurde zwischen 1958 und 1968 verändert bzw. erneuert:
Altarkreuz (Korpus um 1700, 1961 von J. Haag restauriert, 1968 von J. Riffeler auf Metallbalken gebracht und 1997 auch neugotischem Holzbalken angepasst), Josefsfigur von Franz Kött für den Seitenaltar (ab 1968 in einer Nische unter der Orgelempore), Erneuerung der Orgelempore in Beton (1967 hat Orgelbau Josef Weimbs die 1869 von Franz-Joseph Schorn in ein barockes Gehäuse eingebaute Orgel mit 11 Registern abgebaut, die nicht mehr zu restaurieren war!), Rund-Tabernakel auf Trachytsäule - seit 1997 im Hauptaltar - (Jakob Riffeler), Verkleidung der Türen mit Kupferplatten und Bronzegriffen (J. Riffeler), Altar und Ambo aus Trachyt (G. Hoffs/ J.P. Drach), Taufbecken (J. Riffeler), Entfernung von Hochaltar, Seitenaltären und Kanzel.

Pfarrer Peter Berg sorgte ab 1987 für eine weitere Ausgestaltung. Figuren der Pfarrpatrone Petrus und Paulus ließ er an den Vorchor-Pfeilern anbringen. Den 1968 entfernten neugotischen Hochaltar (Entwurf von Franz Statz) ließ er nach der Restaurierung bzw. Renovierung wieder aufstellen. Dazu passend folgten Kreuzwegstationen im Nazarenenstil und ein neugotischer Beichtstuhl. Eine Klais-Orgel ersetzt seit 2003/04 die Schorn-Orgel bzw. "Zwischenlösungen".

Innenausstattung

  1. Portal und Seitentüren, Holz, 1968 von Jakob Riffeler aus Köttingen (1920-2003) mit Kupfer­platten belegt, Griffe in Bronze, Griff am Hauptportal mit Motiv „Petri Fischzug“ und an den Seitenportalen mit Pinien­zapfen
  2. Marienikone
  3. Hl.Josef mit Jesusknabe, Holz, 1966, Franz Kött aus Schwerfen (1919-2006)
  4. Kreuzweg im Nazarener­stil, neugo­tisch gerahmt, um 1900 (seit 1993 als Leihgabe des Erzbistums)
  5. Beichtstuhl, neugotisch (seit 1993)
  6. Marienfi­gur, Holz, farbig gefasst, 16.Jh.
  7. Hl. Petrus, Steinfigur aus Frankreich, farbig gefasst, 19.Jh. (seit 1990 statt „Herz-Jesu-Figur“)
  8. Ambo, Trachyt, Ent­wurf Architekt Günther Hoffs (Euskirchen), Ausführung Johannes Peter Drach (Fre­chen), 1968
  9. Altarmensa, Tra­chyt, Entwurf G. Hoffs, Aus­führung J.P.Drach, 1968
  10. Altarkreuz, Korpus von einem Wegekreuz (1829), um 1700, von J. Riffeler 1968 auf Metallbalken befes­tigt, 1997 auf neugotischem Balken­kreuz angepasst
  11. Ewiges Licht, franz., 19.Jh. (seit 1997)
  12. Hochaltar, neugo­tisch, 1907, Entwurf von Franz Statz (1848-1930), 1997 von Peter Wirtz aus Bedburg restauriert u. ergänzt, barockes „Lamm Gottes“ (Holzplastik) aus Dom-Esch im Unterbau (Stipes) eingefügt; neue Retabel-Reliefs „Hochzeit zu Kanaa“ und „Brotvermehrung“, neugotisch (um 1900), Gips­ab­guss (Kopie von Fa. Belz in Bonn), farbig gefasst von Gangolf Minn aus Brühl; Tabernakel, 1968 von Jakob Riffeler in Silber und Kupfer mit aufge­setzten Kristallen gestaltet, seit 1997 im Hochaltar eingefügt
  13. Taufbe­cken, Trachyt, Entwurf von J. Riffeler, Ausfüh­rung durch J.P.Drach; hochgewölbter Deckel mit bekrönendem Kreuz aus Kupfer, vergoldet, von J.Riffeler, 1968
  14. Hl. Paulus, Steinfigur aus Frankreich, farbig gefasst, 19.Jh. (seit 1990, hier war bis 1968 eine „neu­gotische Kanzel“)
  15. Orgel, 1887 von Johannes Klais aus Bonn gebaut, 2004 von Orgelbau Siegfried Schulte aus Kürten restauriert und in St Peter und Paul aufgestellt
  16. Fenster, Johannes der Täufer, neugotisch, 1907
  17. Fenster, Kirchenpatron Mater­nus, neugotisch, 1907
  18. Fens­ter, frontales Chorfenster mit figurativer Gestal­tung (Verkündigung an Abraham, Elisabeth, Maria), sons­tige Fenster in Chor und Langhaus mit ornamen­taler Gestaltung, Entwurf Hermann Gottfried aus Bergisch-Gladbach (geb.1929 in Düren), Aus­führung Peter Winnen aus Köln, 1958

© Text und Zeichnungen: Dr.Conrad-Peter Joist