Standort St. Stephanus, Roitzheim

Stephanusstraße 10, 53881, Euskirchen Roitzheim

Die Kirche St. Stephanus, Roitzheim

Baugeschichte

St.Stephanus
St.Stephanus

Roitzheim, am Jakobsweg (Köln – Trier) ge­legen, ist seit der Jungsteinzeit ein Sied­lungsplatz und hatte bereits Ende des 11.Jh.s eine Kirche, Teile des romanischen Baues findet man im Turm und in der nördl. Mauer. Um 1500, laut Texttafel an der nördl.Turmwand 1477, wurden unter Bau­meister Reynert Schrueder Veränderungen vorgenommen:Einzug eines Kreuzrippenge­wölbes im Chor (auf Konsolen lastend, die die Köpfe von Petrus, Paulus, Stephanus u.Jakobus d.Ä. darstellen,) und im Turmge­schoss, gotische Fenster, Wand­male­reien (im Chor: 12 Apostel; im Turmge­schoss: Christo­phorus an der Westwand, Christus mit Simon von Cyrene in der Bo­genlaibung). 1804 supprimiert und der Pfar­rei Cuchen­heim zuge­ordnet, folgte 1829 die Anerken­nung als Annexkirche der Pfarrkir­che zu Stotzheim. 1856 wurde die Pfarrei Roitzheim wieder errichtet. 1870 fügte man im Osten eine Sakris­tei an den Chor und trug im ge­samten Kir­chenraum eine Kalktün­che auf, wobei die Wandmalereien über­deckt wur­den. 1888 wurden diese Wand­male­reien wieder freigelegt und durch Deko­rateur Karl Blume (Euskir­chen) und Maler Amend (Key­enburg) restau­riert bzw. ergänzt („thronende Maria“ über der Sakris­teitür). Seither erwog man - durch Zunahme der „Seelen“ - einen Erweiterungs­bau. 1909 er­stellte Franz Krause erste Pläne: An die Kir­che, die als nördl. Seitenschiff mit Sa­kristei und Taufka­pelle einbezogen wer­den sollte, fügte F.Krause im neugot. Stil eine Er­weite­rung nach Sü­den an: Hauptschiff mit Chor und Seiten­schiff. 1911 planten zwei Köl­ner Ar­chitekten (H.Forthmann/E.Breyers ?) eine neugoti­sche Hallen­kirche, die sie nach Sü­den an die alte Kir­che (Ein­gangsbereich) anfügten. Diese Idee fand auch keine Zustim­mung. Daraufhin legte Jo­sef Prill, Priester u. Bau­meister, 1925 in Anleh­nung an den Entwurf von F. Krause einen neuen Plan vor: die alte Kirche als nörd­l. Sei­ten­schiff, Nebenkapelle (=Chor) u. Taufka­pelle (Turmge­schoss) integriert, nach Süden an­schließend Haupt­schiff mit Chor und Seiten­schiff mit Sakristei. Auch diesen Plan lehnte die Ge­meinde ab. Somit ent­warf Hans Jülich (Sin­dorf) 1930/31 ein Konzept, das verwirk­licht wurde: Das alte Lang­haus funk­tionierte er zum Chor um und fügte nach Norden eine Apsis an; das Turmge­schoss wurde Sakris­tei, der Chor Tauf­kapelle; an die alte Kirche fügte H.Jülich südl. ein Haupt­schiff mit Or­gelempore und ein Seitenschiff an. Die Fenster entstan­den in der Werkstatt von Ludwig Preckel, Altar­aufsatz u. Altar­kreuz (mit Christkönig) ges­taltete Peter Tillmann (Erke­lenz) und sechs Engel dazu schnitzte Franz Xaver Haak (Erke­lenz). Außer einem Kreuz­weg (Öl auf Holz) schuf Pater Wolfram Plotzke Wand­malereien, die man 1937 wieder ent­fernte. Die Wandbilder der Sei­tenal­täre wurden 1937 durch Holzfi­guren („hl.Maria mit Kind“, „hl.Josef“) von F.X.Haak ersetzt. 1956 wurde die Kirche renoviert. Die Wandmale­reien restaurierte man 1996/97, im Zustand von 1888, weil die goti­schen Male­reien „verloren“ waren. 1972 wurde ein baro­cker Hochaltar erworben, gleichzei­tig passte man Zelebrationsaltar, Ambo, Kanzel und Beichtstuhl an.

Baubeschreibung

Innenraum
Innenraum

Die alte Kirche war eine Saalkirche mit qua­dratischem Chor und vorgelegtem Turm.
Die heutige Kirche ist ein ver­putzter Bau, der von einem mehrfach abgesetzten Walm­dach, nach Westen schleppend, über­deckt ist. Den Turm beschließt ein achtseiti­ger Pyrami­denhelm mit starkem Fußwalm. Schmale Rundbogenfenster mit Haustein-Rahmung und ein Rundfenster (an der Süd­seite) sind rundum eingefügt.
Durch eine kleine Vorhalle betritt man die Kirchenhalle, durch eine abgekehlte Stuckde­cke (seit 1956 statt Flachdecke) mit profilierter Rahmung und Medaillon („hl.Stephanus“) abge­schlossen und durch Rundbo­genfenster (Ornamentvergla­sung) be­lichtet. Nach Westen ist ein schmales Sei­tenschiff ange­fügt, das im Marienaltar endet. Der zurück­gelegte Raum unter der Orgel­empore erhält das Licht durch drei Fenster, die den hl.Stephanus thema­tisieren, im Rundfenster der Orgelempore ist die hl.Cäcilia dargestellt. Auf dem Weg zum Chor wird man auf der Ostseite vom Kreuz­weg des Pater W. Plotzke be­gleitet. Auf der Westseite sind Fi­guren „hl.Thomas“ und „Herz-Jesu“ auf Kon­solen zu sehen, dazwi­schen der barocke Beichtstuhl. Vor dem Chor ist links die baro­cke Kanzel mit Schall­deckel, bekrönt durch eine St.Michael-Figur, ange­bracht, rechts ist der Sei­tenaltar des hl.Josef eingerichtet. Eine Stufe führt zum Chor (Tonnengewölbe) mit Apsis (Kalotte), wovor ein barocker Altar aufgerichtet ist. Rechts davon befindet sich im alten Chor die Taufka­pelle mit roma­nischem Taufstein und links vom Chor die Sak­ristei im Turmunter­geschoss.

Innenausstattung

  1. Orgelempore
  2. Fenster, Steinigung des hl.Stephanus, 1966
  3. „Judas Thaddäus“ von F.X.Haak (1879-1949), Holz, 1937
  4. Beichtstuhl, barock
  5. „Herz-Jesu“ von Peter Orschall, Holz, 1932
  6. Nebenaltar mit „Maria mit Kind“ von F.X.Haak, Holz, 1937
  7. Pre­digtstuhl mit Schalldeckel (mit Bekrönung durch eine St.Michael-Figur), barock
  8. Ambo, barock
  9. Mensa, barock
  10. Hochaltar mit Abendmal-Darstellung (19.Jh.), barock, (1970 erworben, an Stelle des Altares mit Christkönigkreuz und sechs Engeln von 1934) 
  11. St.Stephanus, Gips, 19.Jh.
  12. Taufstein, Basalt, 12.Jh.
  13. Sakramentshaus, gotisch (vergitterte Nische)
  14. Zwölf Apostel, Wandmalerei über gotischen Fresken, 19.Jh.
  15. Thronende Maria, Wandmalerei, 19.Jh.
  16. Christus u. Simon von Cyrene, Fresko, um 1500
  17. Chris­tophorus, Fresko, um 1500
  18. Eingangsportal zur alten Kirche, gotisch, um 1500
  19. Nebenaltar „Hl.Josef“ von F.X.Haak, Holz, 1937
  20. Kreuzweg von P.Wolfram Plotzke (1907-1954), Öl a.Holz, 1935
  21. Turmobergeschoss mit drei Glocken: St.Michael-Glocke (1927), Stephanus-Glocke (1870/1970), Marienglocke (1927/1970)

Christophorus, Fresko, um 1500

Christophorus, Fresko, um 1500
Christophorus, Fresko, um 1500

Der heilige Christophorus, der auch zu den Vierzehn Nothelfern zählt, wurde 1962 wegen fehlender Belege aus dem röm. Kanon gestrichen, jedoch 2001 wieder ins Märtyrologium Romanum aufgenommen.
In einer alten LEGENDE aus dem Osten ist es ein Riese mit Hundskopf namens REPROBUS, der erst durch die Taufe die Sprache erlernte und dann den Namen CHRISTOPHORUS erhielt. Danach wurde Christophorus Soldat und zog später als Missionar durch Lykien, bis er als Märtyrer hingerichtet wurde.


„Christophorus“ galt als Ehrentitel für alle Märtyrer, bis der Name sich als Eigenname verselbständigte.
Im Westen breitete sich die Verehrung des Christophorus vom Orient her entlang der byzantinischen Pilgerstraßen nach Ravenna, Süditalien, weiter nach Frankreich und Spanien (im 7.Jh. nachgewiesen) aus und von dort wiederum nach Norden und Osten. WESTLICHE LEGENDEN sprechen hierbei nur noch von einem Riesen. Es verfestigte sich im Volksbewusstsein ein Riese namens OFFERUS (mit furchtbarem Antlitz).


Nach dem 10.Jh. tauchte Christophorus in der Wandmalerei auf. Erste Darstellungen des CHRISTUSTRÄGERS entstanden im 12.Jh. und deutlicher im 13.Jh. Auf der Suche nach dem mächtigsten Herrscher fand Christophorus nach der Legende zunächst einen KÖNIG, dann den TEUFEL und schließlich JESUS, den er anstelle eines Fährmanns in Kindgestalt auf seiner Schulter über den Fluss trug, wobei er „unterwegs“ die Last der Welt und damit die Last des Heilands spürte.
Vom 13. bis ins 16.Jh. (Zeit der Pest) hinein hatte man die Vorstellung:
Wer am Morgen ein Christophorus-Bild betrachtet,
ist tagsüber geschützt vor einem plötzlichen Tod.
Das erklärt die großen CHRISTOPHORUS-Wandbilder am Eingang mittelalterlicher Kirchen, so auch in St.Stephanus, entstanden um 1500.


DARSTELLUNG: Riese mit Stab, Kind (Jesus) auf Arm oder Schulter.