Wegekreuze und Bildstöcke

im Seelsorgebereich Euskirchen-Erftmühlenbach

Wegekreuze und Bildstöcke im SB
Wegekreuze und Bildstöcke im SB

Der vor allem von Katholiken geübte Brauch, religiöse Denk- und Mahnmäler in Gestalt von Wegekreuzen und Bildstöcken an besonderen Orten zu errichten, war früher im Rheinland weit verbreitet und ist heute noch größtenteils im Euskirchener Raum festzustellen.

 

Die Wegekreuze, die momentan für viele oft nur Denkmäler sind und kaum noch wie früher sakralen Zwecken dienen, sind häufig an Stellen zu finden, wo sich Wege kreuzen oder ga­beln (scheiden) oder auch wo Grenzen verlaufen. Flankiert oder umstanden von teilweise alten, mächtigen Bäumen (meist Linden oder Kastanien), waren Wegekreuze die aus Volkssagen bekannte Verbindung zwi­schen Baum und Bildniskult, sie waren Ort der besonderen Kräfte, aber auch Ort der Ruhe, Besinnung und Andacht; heute sind es oft in sonst monotoner Flur nur romantische oder auch einfach „verlorene“ Akzente, die als (Natur-) Denkmäler zu schützen sind.

 

Im Raum Euskirchen sind aus der Epoche vor dem Dreißigjährigen Krieg keine Wegekreuze überliefert, obwohl anzunehmen ist, dass solche existiert haben, wie es die Historie des „Bäcker-Janns-Krüz“ (Kuchenheim 1) zeigt. Holzkreuze, die in früher Zeit häufiger waren, sind sicher verwittert und somit nicht lange erhalten geblieben; andererseits sind wahrscheinlich viele dieser religiösen Zeichen aufgrund reformatorischer Verbote oder durch Kriegswirren zerstört worden.


In unserem Gebiet setzte erst um 1700 eine Welle der Errichtung neuer Wegekreuze ein, bedingt durch größere religiöse Bewegungen – u.a. durch Bruderschaften – und durch barocke Kunstfreudig­keit. In dem alten Wallfahrtsort Frauenberg, dem Stationsort an der Krönungsstraße Aachen-Frankfurt, entstanden im 18.Jh. zahlreiche Wegekreuze, u.a. bedingt durch die Bruderschaft „Jesus, Maria, Joseph“, die damals die Wallfahrtstätigkeit und das religiöse Gemeindeleben stark aktivierte.
Um 1800 wurden unter französischer Besatzung neben kirchlichen Gebäuden auch religiöse Zeichen wie Wege­kreuze abgebrochen und vielfach für immer beseitigt, wenn ein solches Kreuz nicht durch das Engagement einzelner Bürger neu erstellt wurde, wie z.B. das „Bäcker-Janns-Krüz“. [1]


Erst in der 2.Hälfte des 19.Jh.s entstanden in Euskirchen wieder neue Wegekreuze, die si­cherlich in engem Zusammenhang mit dem Kulturkampf (als Zeichen des „Sieges“ der Kirche über den Staat!) zu sehen sind. Vielfach baute man in dieser Zeit auch Bildstöcke, die einfach und schnell von den Gläubigen des Dorfes selbst erstellt werden konnten.


Im 20.Jh. setzte man nur noch selten religiöse Zeichen. Wenige Wegekreuze stammen aus den ersten zwei Jahrzehnten, einige aus der Zeit nach 1945. Seit den 1950er Jahren tendiert man wieder zu Bildstöcken (Kirchheim 2, 3, 4). Wegekreuze mit eher weltli­cher Funktion sind in letzter Zeit als „Flurbereinigungs-Kreuze“ entstanden (Palmersheim 5, Roitzheim 5).
Die Motive für die Aufstellung solcher Wegekreuze kommen aus einer tiefen Volksfrömmig­keit heraus. Der Grund kann vielfältig sein, er kann neben religiösen Anlässen auch im per­sönlichen Bereich des Stifters zu finden sein, wie beispielsweise ein wichtiges Geschehen oder die Erinnerung an ein besonderes Erlebnis im Leben des Stifters (Kuchenheim 2 [2], Schweinheim 3 [3]).
Die meisten Wegekreuze und Bildstöcke sind hier aus allgemeiner Devotion heraus entstan­den; aber auch Bruderschaften (=Gebetsverbrüderungen) ließen religiöse Zeichen errichten. [4]


Als Gedächtnis oder Erinnerung an Verstorbene oder zum Andenken an besondere Ereig­nisse findet man hier auch einige Kreuze (Großbüllesheim 3, Palmersheim 1 u. 4). – Manchmal hat man mit diesen Zei­chen auch nur Schutz bzw. Abwehr erbeten oder eine allgemeine bzw. eine konkrete Bitte ausgesprochen (Weidesheim [5]).

 


[1]Dieses Kreuz wurde 1806 von dem Bäcker Franz Anton Schlaeger (1786-1851) geschnitzt und von den Sebastianus-Schützen über Nacht auf dem Schießberg südlich von Kuchenheim aufgestellt.
[2] Dieses Kreuz wurde nach der Genesung von schwerer Krankheit „zur höchsten Ehre Gottes und der schmerzhaften Mutter“ gestiftet.
[3] Dieses Kreuz wurde an der Flurgrenze von Schweinheim errichtet, nachdem sich Wirich Wilhelm Dietrich von Bernsau mit Amalie Regina Katharina von Waldenberg gt. (getauft) Schenkern im Jahre 1694 vermählt hatte.
[4] Seit 1646 war von Kölner Erzbischöfen besonders die Bruderschaft „Jesus, Maria, Joseph“ zur Wiederbelebung des religiösen Gemeindelebens empfohlen worden.
[5] „St.Maria, ora pro nobis“

 

Kreuztypen

Abb. 2: Kreuztypen im Raum Euskirchen
Abb. 2: Kreuztypen im Raum Euskirchen

Aufgrund der Herstellungsweise und der daraus resultierenden Form lassen sich verschie­dene Kreuztypen erkennen. Neben dem Balken- und Schaftkreuz ist der im Euskirchener Raum am häufigsten auftretende Kreuztyp das Gliederkreuz, das meistens drei bis vier Meter hoch ist und durch Basis, Sockel, Zwischenplatte, Mittelblock, Abdeckhaube und Kreuz ge­gliedert ist.

Quellhinweis Wegekreuze

© Text/ Zeichnungen/ Fotos/ Auflistung: Dr.Conrad-Peter Joist

© Standort-Koordinaten/ Overlay: Toni Loben